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Ausstellung - Volkmar Förster

BUTENDES GOLD

Ausstellung vom 19.09.2016 - 04.11.2016
GALERIE LATERNE Karl-Liebknecht-Str. 19 - 09111 Chemnitz
Geöffnet: Mo bis Fr von 10 - 16 Uhr

Vernissage am 19.09.2016 19.30 Uhr
Veranstaltet vom Kunstverein Laterne e.V.
Laudatio: Dietmar Huhn, Musik: Manfred Hering

Druckgrafik und Installation

Auszug aus dem Katalogtext

Laterne: Du bist eines unserer ältesten Mitglieder. Du blickst auf ein mit Arbeit vollgestopftes Leben zurück, nun in der zweiten Hälfte des Lebens fragt man sich doch manchmal: Was war gewesen? Ist der Sinn, mit dem man einst angetreten ist im Beruf in Erfüllung gegangen?

Volkmar Förster: Das ist ja eine Hammerfrage, der Sinn des Lebens? Ich fürchte, ich kann sie nicht vollständig beantworten. Bei mir waren es vier abgeschlossene Berufe, meinen Berufsausweis als Puppenspieler nicht mitgerechnet. Jetzt verstehe ich mich als Maler und Grafiker, das habe ich nicht gelernt. Eines aber war mir immer wichtig: Wenn ich A gesagt habe, musste ich auch B sagen. So gab es einen Anfang und meistens auch ein Ende. Das wohl sinnträchtigste Ereignis war mein Abschied vom damaligen Karl-Marx-Stadt und der Beginn meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule in Dresden im Jahre 1964.

Laterne: Wie war das damals - Die Welt von gestern. - wie ging es bei dir los? Was waren die Anfänge in Chemnitz?

Volkmar Förster: Die Anfänge waren in der Grundschule bei meinem Zeichenlehrer der Bernsdorfer Schule, Herrn Georgi. Danach gab es eine lange Pause, anderes war wichtiger, aber damals gab es keine Prioritäten von wichtig oder unwichtig, sondern man lebte einfach so, wie es eben kam. Ich hatte, wie jeder Junge, viele Seemannsbücher gelesen, also wollte ich Seemann werden. Weiter eine Schule besuchen kam nun überhaupt nicht in Frage, es sollte ein Beruf in der freien Natur sein. Also sagten Vater und Mutter: - Dann gehst Du zum Fernmeldeamt, da kannst Du auf Telefonmasten herumklettern. - So geschah es dann auch. Freie Zeit war genug: Handball, Fussball, Tischtennis, Tennis, Wasserwandern, schöne Mädchen, kennengelernt im Silbersaal (bei meiner Lieblingsband - Harmonikahansl - ), Bochmanns Ballhaus, Zweinigers Ballhaus (genannt: Der schweinische August), Schlachthof, Klubhaus Fritz Heckert, Der Hirsch, Goldener Hahn und die Wasserschänke Röhrsdorf, Cafe am roten Turm (Das Türmchen), das Cafe Moskau nicht vergessend. Kurz: Das volle Programm eines fröhlichen Jugendlebens. Irgendwann kam der Drang nach Höherem und ich wechselte von der Deutschen Post zu den VEB Elektronische Rechenmaschinen, das spätere Robotron. Das bedeutete qualifizieren, es folgte ein Abendstudium an der Ingenieurschule für Elektrotechnik in Mittweida, Zeitdauer 4 Jahre. Die Vorlesungen und Seminare fanden im Betrieb statt.

Anschliessend war viel Freizeit übrig, neben uns war das Industriewerk (früher die Wandererwerke) Dort gab es einen Mal- und Zeichenzirkel. Das hatte in der DDR jeder grüssere Betrieb. Ein schönes Zubrot für die bildenden Künstler und die Jugendlichen waren weg von der Strasse. Heute gibt es das auch noch, nicht staatlich gefördert, sondern es sind private Initiativen von Künstlern die sich über eine Teilnahmegebühr ein kärgliches Zubrot verschaffen. Aber diese Hobbyvereine sind Rentnerclubs, die sich so ihre Freizeit besser organisieren. Wir waren damals nur junge Leute in diesem Zirkel. Das nannte sich bildnerisches Volksschaffen und wir hatten einmal im Jahr eine Kunstausstellung im Albertinum in Dresden. Es kam uns nicht in den Sinn uns Künstler zu nennen. Wir waren uns des Abstands zur Berufskunst bewusst. Wenn ich heute die Lokalpresse aufschlage, wird mir schlecht, was sich alles unter Bezeichnung - Künstler - tummelt. Meinen Malzirkel leitete Horst Löschner, ein Spätimpressionist, seine Kollegen nannten ihn den - Durstlöschner - , nicht nur aus diesem Grunde wurden wir Freunde. Er riet mir Kunst zu studieren. Aber wie sollte das gehen, ich war Techniker (allerdings ohne Leidenschaft) in einem Beruf der Zukunft?

In Halle gab es die Fachrichtung - Industrieformgestaltung - , nach einem langen Gezerre im Betrieb, normalerweise wurde man zu einem Direktstudium durch den Betrieb - delegiert -, bewarb ich mich an der Hochschule für angewandte Kunst Burg Giebichenstein in Halle. Aber in dieser Fachrichtung wurden damals nur aller zwei Jahre Studenten immatrikuliert und just in diesem Jahre fanden keine Aufnahmeprüfungen statt. Inzwischen belegte ich einige Weiterbildungen. Teils an der Volkshochschule und im Kreiskabinett für Kulturarbeit. Dort gab es eine Art Abendschule mit dem Abschluss als Leiter des künstlerischen Volksschaffens. Meine Lehrer waren Helmut Gabler, Willy Wittig und Peter Fährmann. Während dieser Zeit fuhren wir an die Talsperre Malter zu einem mehrtätigen Naturstudium, es empfing uns der wortgewaltige Rosso Majores, ein Maler aus Dresden, der mich sehr beeindruckte. Nun hatte ich Blut geleckt, ich ahnte, dass es auf der Welt noch mehr gibt als weisse Laborkittel und Oszillographen. Ich wollte jetzt die sofortige Veränderung. Die Verwandten meinten Kunsterzieher sei auch etwas Schönes, die Chancen waren gross, sofort angenommen zu werden. So passierte es, ich wurde Student an der Pädagogischen Hochschule Dresden, Fachrichtung Kunsterziehung/Deutsch. Nun eröffnete sich mir eine neue wunderbare Welt.

Laterne: Werden die frühen Erinnerungen in der späten Lebensphase wieder deutlicher, besinnt man sich darauf oder verschwinden sie mehr und mehr vollständig?

Volkmar Förster: Ich habe immer ganz gegenwärtig gelebt, Rückblicke habe ich nie zugelassen. Wenn es doch einmal passierte, habe ich sofort versucht es wieder aus dem Schädel zu bekommen. Es hält einem von dem ab, was noch zu tun ist. Aber jetzt ist es schon so, dass mit zunehmendem Alter das Gewesene sich unmerklich in die Gedanken einschleicht. Fragen tauchen auf. Was war falsch, was war richtig? Die kommende Ausstellung - Blutendes Gold - hat mit diesem Phänomen etwas zu tun. Als Kind habe ich die Deutschen Heldensagen nicht nur gelesen, nein ich habe mit ihnen gelebt und mit den Helden gelitten, die Bösewichte gehasst bis aufs Blut. Nach 70 Jahren gerät mir der Stoff wieder unter die Augen und ich habe mich für diese früheste deutsche Dichtung entschieden.

Laterne: Dein Freund Peter Grämer ist damals nach Berlin gegangen und hat dort an der Hochschule für Bildende Kunst studiert, um direkt Maler zu werden. Er hat dort noch in den fünziger Jahren Karl-Schmidt Rottluff kennengelernt. Dein Weg scheint ein anderer gewesen zu sein, du hast erst Pädagogik in Dresden studiert. Warum diese Schleife?

Volkmar Förster: Das hast Du gut recherchiert, Peter Grämer, wir malten und zeichneten in der Grundschulzeit oft gemeinsam, lernte Dekorationsmaler (wie sein Vater), ging dann an die Fachschule für angewandte Kunst Potsdam, das war 1957, 1960 wechselte er an die Hochschule für bildende Künste, Hardenbergstrasse, Berlin W. Die Mauer stand da noch nicht. Wir verloren uns aus den Augen, erst später, während meines Pädagogikstudium hatten wir wieder brieflichen Kontakt. Der persönliche war tabu, er lebte in Westberlin. (...Auszug aus dem Katalog))


Vernissage: Am 19.09.2016 19.30 Uhr

Laudatio: Dietmar Huhn

Musik: Manfred Hering


Der Katalog, 60 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen der ausgestellten Arbeiten kann per e-mail (laterne19@freenet.de) für 5,00 Euro plus Versandkosten bestellt werden.

Galerie und Kunstverein LATERNE e.V.
Karl-Liebknecht-Str. 19
09111 Chemnitz

Tel.: 0371 4019727
Internet: www.galerie-laterne.de
E-Mail: Laterne19@freenet.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 - 16 Uhr
andere Zeit auf Anfrage


Der Kunstverein Laterne ist Veranstalter des Projektes.
Das Ausstellungsprojekt wird durch das Kulturmanagement der Stadt Chemnitz gefördert






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