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Christiane Kleinhempel und Dorothee Kuhbandner


Vernissage: am 14.05.2012 um 19.30 Uhr

Laudatio:

Musik:


Ausstellungszeitraum: 14.05.2012 - 06.07.2012

Ausstellungsgespräch mit Dorothee Kuhbandner

Andreas Schüller: In unserer Galerie erschien eines Tages eine unbekannte männliche Person im mittleren Alter und sie behauptete, eine absolute Besonderheit zu kennen, etwas wahnsinnig Interessantes und wollte dieses uns unbedingt vorstellen. Er benahm sich sehr geheimnisvoll, brachte kaum ein Wort heraus, artikulierte sich sehr mysterisch und legte endlich, nach einigem Hin und Her, ein Konvolut von Zetteln und Büchern vor mit einer Auswahl Deiner Arbeiten. Ich wusste nichts über dich und wie das meist so ist, man muss sich erst orientieren, worum es eigentlich geht. Unsere Leser empfinden das sicher nicht anders, was sollte man, bevor wir über deine Arbeiten sprechen, biografisch von dir wissen?

Dorothee Kuhbandner: Ich habe mich seit zwei Jahren selbstständig gemacht. Ich arbeite jetzt freiberuflich als Künstlerin. Ich habe vorher in verschiedenen Berufen gearbeitet. Zuerst als Buchbinderin, dann bin ich Krankenschwester gewesen und habe dazu die Ausbildung gemacht. Währendessen habe ich vier Kinder bekommen. Ich habe alle meine vier Söhne aus tiefer innerer Überzeugung in ihren ersten drei Lebensjahren selber rundum behütet. Als mein jüngster Sohn ein Jahr alt war, betreute ich zu ihm noch drei weitere kleine Kinder als deren Tagesmutter. Dann habe ich mir überlegt, dass ich Künstlerin sein möchte mit Leib und Seele. Ich habe ein ganz schönes Motto: - Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum. - Das mache ich gerade und bin sehr, sehr glücklich dabei.

Andreas Schüller: Das klingt recht gut. Wenn ich mich recht erinnere, hast du ein Bild über einen Traum gemacht ,der klang ganz gruselig - Albträume träumen -

Dorothee Kuhbandner: - Grüne Albträume - hiess es - ich verarbeite natürlich meine Probleme und Sorgen in meinen Bildern wie das viele Künstler tun . Meine Mutter will mich immer mal zum Psychologen schicken. Aber ich selber sehe das nicht so kritisch. Ich finde meine Bilder optimistisch und stimmend. Jeder kann sehen, was er sehen möchte in den Bildern. Jeder kann seiner Phantasie freien Lauf geben. Ich find meine Bilder optimistisch und Freude bringend.

Andreas Schüller: Du hast eine schöne Internetseite, in denen deine Arbeitsweise ausführlich dokumentiert wird. Man hat den Eindruck, du willst keine kleinen Brötchen backen. Wir versuchen mal, Stück für Stück das Konvolut durchzusehen. Fangen wir bei der Malerei an. Was ins Auge springt, ist die emotionale Farbpalette. Mir scheint, diese hat für den Betrachter ähnliche Eigenschaften wie ein Wirkungstreffer aus dem Boxsport. Kontraste dominieren - vor allem zwischen Rot und Grün oder Gelb und Blau. Das Schwarz hält den Laden zusammen. Dann schiesst gewöhnlich bei der Komposition noch eine diagonale Linie durchs Bild. Gibt es bei dir eine Kampfsporthalle, wo die Bilder hängen, oder anders gefragt, kann man mit so viel Emotionalität dauernd leben?

Dorothee Kuhbandner: Ja eine Kampfsporthalle wäre mein allergrösster Traum. Für meine Bilder eine grosse Halle, wo ich malen könnte ohne Rücksicht auf Verluste. Leider habe ich das nicht. Ich male zu Hause in meinem Wohnzimmer - ein grosses Wohnzimmer, ein schönes helles Wohnzimmer. Jetzt habe ich auch einen kleinen Lagerraum für meine Bilder, denn ich bin sehr, sehr produktiv.

Andreas Schüller: Die Formate sind auch exklusiv - entweder quadratisch oder ein exzentrisches Hochformat. Es scheint, als würden Sie mit der Wahl dieser Formate die Wirkung der Farbe noch unterstützen wollen. Warum wählen sie diese Formate?

Dorothee Kuhbandner: Die Formate gefallen mir. Sie sind in meinem Sinne. Passen zu meinen Motiven, zu meinem Geschmack.

Andreas Schüller: Auch die Titel blasen in das selbe Horn - Wer zu lange träumt, wird grün -, - Fischfrau oder Teufel - oder - Lustige Albträume - An jeder Stelle eigentlich eine Tempoverschärfung. Glaubst du, dass man durch Tempoforcierung Land oder Leute gewinnen kann?

Dorothee Kuhbandner: Ich gebe die Titel, nachdem ich das Bild gemalt habe. Ich schau mir ein Bild an und dann gebe ich dem Bild einen Titel. So rum. Das hat er schon gut erkannt. Es muss immer schnell gehen, weil ich ständig auf dem Sprung bin und nie so richtig Zeit habe und auch schnell fertig werden will mit einem Bild. Es hat schon was mit Tempoforcierung zu tun. Das Leben ist so schnelllebig, es verrauscht wie verrückt - so empfinde ich das. Es geht immer schneller vorbei, je älter man wird. Das spiegelt sich vielleicht in meinen Bildern wider.

Andreas Schüller: Es sind alles Arbeiten aus den letzten drei bis vier Jahren, was hast du vorher gemacht?

Dorothee Kuhbandner: Ich male schon mein ganzes Leben lang. Als Kleinkind habe ich angefangen. Als Einzelkind habe ich ständig in der Ecke gesessen und gemalt. Dann habe ich viele Zeichenzirkel besucht, bei vielen Känstlern. Mein Patenonkel Werner Jotza war mein erster Künstler, mit dem ich Kontakt hatte. Wo ich in den Ferien war und in seinem schänen Atelier malen konnte. Dann bin ich geprägt in meiner Kindheit durch mein Elternhaus, mein Vater ist Kunsthistoriker und hat mich zu ganz vielen Ausstellungen mitgenommen. Das hat mir Spass gemacht, das macht mir Spass und ich entwickle mich weiter.

Andreas Schüller: Wir sind jetzt bei der zweiten Ausstellerin namens Christiane Kleinhempel, die den zweiten Teil der nüchsten Ausstellung am 14.05. 2012 in der Galerie Laterne bildet. Nun geht es uns ähnlich wie bei Dorothee Kuhbandner, wir wissen biografisch nicht so viel über Sie vielleicht können Sie sich uns kurz vorstellen?

Christiane Kleinhempel: Ich lebe seit 1995 in Chemnitz. Ich bin Diplomkauffrau, beschäftige mich seit mit der Kalligraphie. Ich arbeite als Referentin, absolviere die Ausbildung zum Gestalter im Handwerk, mache sehr viel Pressearbeit, es ist alles sehr vielschichtig. Die Schriftkunst und meine Ausbildung in der Handwerkskammer sind das Wichtigste für mich.

Andreas Schüller: Sie haben sich hauptsächlich mit Kalligraphie beschäftigt. Wie sind Sie darauf gekommen und was bedeutet die Schriftkunst für Sie?

Christiane Kleinhempel: Begonnen hat das 1995 mit einem Kurs bei einer Kalligraphin in Passau. Da hat mich die Faszination gepackt - Buchstaben, Linien, Flächen und Formen zu gestalten. Schnell kam auch die Entwicklung weg von festen Buchstaben, von leserlichen Texten hin zur Schriftkunst.

Andreas Schüller: Sie haben dazu sehr viele Kurse besucht, z.B. bei Benno Aumann oder zuletzt bei dem Amerikaner Carl Rohrs. Wie unterscheiden sich die Lehrer in ihrer Bildauffassung und wie unterscheiden sie sich methodisch?

Christiane Kleinhempel: Benno Aumann ist ein Kalligraph aus München und Mailand, den ich sehr schätze, weil er mir sehr viel Handwerkszeug mitgibt. Das heisst klassische Schriften lernen, wie man die so kennt, z.B. Capitalis, Unziale, Itaciv, Römische Kursive. Darüber hinaus lehrt er das Künstlerische, die Schriftkunst. Das Gefühl für eine Linie, die Begeisterung dafär und dass man nicht unbedingt lesen muss, was da steht, die Emotionalität aus einer Form und aus einer Linie, einer Fläche - das zu erleben, ist wichtig für mich bei Benno Aumann. Bei Carl Rohrs habe ich Schriften und Techniken mit der Breitfeder und dem Breitpinsel geübt. Das ist ein Amerikaner und die haben einen bisschen anderen Schwerpunkt für die Schriftkunst. Das ist manchmal etwas fester und kitschiger. Aber die Art und Weise, wie er unterrichtet hat, das Vormachen - ich könnte stundenlang dasitzen und zuschauen, wie Carl Rohrs die Bewegungen macht und das selbst zu adaptieren, das ist schon faszinierend. Er ist ein grossartiger Kalligraph. Das ist schon was Besonderes, bei ihm einen Kurs machen zu können.

Andreas Schüller: Ich möchte noch einmal auf Benno Aumann zurückkommen. Woran macht er denn eine schöne oder interessante Linie fest? Gibt es da Kriterien?

Christiane Kleinhempel: Es ist der Akt des Linienziehens. Ich kann einen Bleistift nehmen und eine Linie ziehen, dann ist es ein Bleistiftstrich. Bei Benno Aumann habe ich gelernt: den Bleistift nehmen, Luftholen, ansetzen und beim Ausatmen mit Bedacht diese Linie zu ziehen. In Kursen ist das manchmal so, dass alle drum herumstehen, wenn er schreibt und staunen, wie das bei ihm so geht. Mit einer Intensität und Ruhe, da habe ich ganz viel von ihm gelernt.

Andreas Schüller: Warum steht so ein ausführlicher Kursbesuch voran, künnte man nicht denken, dass man nach einer Einführung selbst tätig sein will, ohne die korrigierenden Hinweise der Lehrer? Man will sich doch ausprobieren und den ganzen Prozess vom Fehler bis zu den Korrekturen selbst erleben ohne hilfreiche Eingriffe. Warum ist das bei Ihnen anders?

Christiane Kleinhempel: Es ist das Handwerkszeug, was gelernt werden muss. Ich habe leider nicht das Glück gehabt, schon früher auf das Studium des Grafikers zu kommen. Sich nur autodidaktisch die Schriften beizubringen, dass ist schwierig. Ich glaube, es ist auch der Austausch mit grossartigen Lehrern und mit Mitschülern. Ich treffe mich da immer wieder mit den gleichen Leuten, hat Ideen und vermittelt sich gegenseitig etwas. Natürlich gehe ich dann an meinen Schreibtisch und versuche das dann umzusetzen.

Andreas Schüller: Arno Mohr, ein bekannter DDR-Grafiker, hat einmal hier in Karl-Marx-Stadt im ehemaligen Neruda-Club von seiner Arbeit erzählt und dabei über die Entstehung seiner Blätter berichtet. Er hat damals erklärt, für die Komposition eines Bildes ist die Kenntnis der Buchstaben zentral. Also der Aufbau eines Buchstabens ist das Grundkonzept einer Komposition. Die heutigen Arbeiten, die ich von Ihnen und Ihren Lehrern gesehen habe, scheinen mir im Übergangsbereich zu liegen zwischen der traditionellen Kalligraphie und der Malerei selbst. Mehr und mehr lyrische Elemente fliessen ein. Wie sehen Sie Ihre Arbeit selbst?

Christiane Kleinhempel: Es ist ein Prozess. Wenn ich mir ältere Arbeiten von mir anschaue, da erkenne ich viele leserliche Texte. In den letzten Jahren habe ich entdeckt, dass es die Formen sind, die entstehen - auch durch die unterschiedlichsten Werkzeuge. Tatsache ist, dass da Buchstaben sind, die erkennen Sie vielleicht nicht mehr als Buchstaben, weil es keine mehr sind, weil ich durch Spiegelungen oder andere Techniken etwas damit gemacht habe. Aber sie sind trotzdem da. Mit den lyrischen Elementen ist es so, dass Text sowie auch Musik eine grosse Bedeutung für mich haben. Ich bin keine Künstlerin, die sozialpolitische oder gesellschaftskritische Themen behandelt, sondern es ist das, was in mir vorgeht, was raus muss. Wenn ich was Tolles erlebe, dann nehme ich den Stift und überlege, wie zeichne ich das jetzt. Zum Beispiel, wie der Wind durch die Haare geht.


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